Der Seelenfütterer

Glauben (er)leben

Angenommen ...

Ein recht bekanntes Adventslied hält uns vor Augen 
worauf es an Weihnachten ankommt:

»Wir sagen euch an den lieben Advent. 
Sehet, die dritte Kerze brennt! 
Nun tragt euer Güte heller Schein 
weit in die dunkle Welt hinein. 

Freut euch, ihr Christen, freuet euch sehr! 
Schon ist nahe der Herr«.

Advent ist die Zeit der Lichter. Das dritte Licht am Adventskranz ist entzündet. Noch eine Woche – dann feiern wir das Fest der Ankunft Gottes in Jesus Christus in unserer Welt. Kein langes Warten mehr. Schon ist nahe der Herr. 

Ein Vorbereitungswort zum Advent hat der Apostel Paulus für uns.

– Predigttext: Römer 15, 5–13 – 

Das ist die adventliche Bitte des Paulus: 
»Der Gott aber der Geduld und des Trostes gebe euch, dass ihr einträchtig gesinnt seid untereinander, wie es Christus Jesus entspricht.« 
Und auf diese Bitte schließt sich sein adventlicher Rat an: 
»Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat.«
 

Advent; unsere Tage sind der Vorbereitung gewidmet, der Vorbereitung auf das Weihnachtsfest. 
Zugleich beschleicht uns so eine Ahnung, ja Befürchtung, dass unsere Anstrengungen nicht den gewünschten Erfolg haben werden. 
Die Zeit rennt. Die Zeit … Sie sitzt uns schon übers Jahr im Nacken. 
Um wie viel mehr spüren wir den Druck zur Vor-Weihnachtszeit.  
Statt uns auf das Fest der Ankunft Gottes bei uns Menschen zu freuen, lassen wir uns hineinziehen in den Strudel aus hohem Erwartungsdruck, Perfektionismus und Kaufrausch. Viele stehen unter Hochspannung an diesen Tagen. Schon die geringste Abweichung vom Tagesplan, das kleinste Hindernis, lässt so manchen, sonst friedfertigen Menschen schnell mal aus der Haut fahren.


Stellen Sie sich einfach einmal vor ….

Es ist Heiligabend. 


Es hatte den ganzen Tag über geschneit. 


Weiße Weihnachten. 
Für Viele einfach nur traumhaft.


Traumhaft, wenn man im warmen Wohnzimmer sitzt, im Kreise seiner Familie und durch das Fenster den Schneeflocken beim Tanzen zusehen kann.



Doch draußen geht es meist nicht so idyllisch zu. 
So auch an diesem Tag. 

Es gab viele Unfälle. 
Streudienst, Feuerwehr und Sanitäter waren im 
Dauereinsatz. 
Einer von Ihnen ist der Sanitäter Gabriel. 
Nach einem besonders harten und langen Einsatztag steht Gabriel nun zuhause vor der Tür. 
Seine Familie war dieses Jahr ohne ihn beim Gottesdienst gewesen. 
Das Krippenspiel seiner Jüngsten hat er verpasst. 
Seine Schicht ist jetzt vorbei. 
Er hält den Hausschlüssel in der Hand. 
Gleich wird er seiner Frau und seinen Kindern gegenüberstehen. Er wird ihnen gegenüberstehen und erklären müssen, warum dieser Heiligabend, so ganz anders sein wird, als sonst. Wie werden sie die Nachricht aufnehmen?

In Gedanken geht er nochmals zurück. …

Eigentlich hätte er ihn auf den Mond schießen können. Gabriel war mit seinem Rettungswagen zu einem Unfall gerufen worden. Die Feuerwehr hatte bereits die Insassen des Kleinbusses befreit. Das Fahrzeug lag auf der Seite, halb in den Straßengraben gerutscht. Wie bei einer Konservendose, war das Dach aufgeschnitten. Die Fahrertüre fehlte. Neben dem Autowrack lag eine verletzte Person. Die Notärztin war bereits vor Ort. Sie kniete neben dem Unfallopfer. Die Polizei hatte alle Hände voll zu tun, die gaffenden Mitmenschen von der Unfallstelle fernzuhalten. Dazu noch der Schnee. So kam der Rettungswagen nur recht langsam voran. (ruhig) Aus der Nähe betrachtet, erkannte Gabriel, dass es sich um ein Kind handelte, das da am Boden lag. Kaum älter als seine eigene Tochter. Er hielt direkt neben der Unfallstelle. Das Kind wurde sofort auf eine Trage gelegt und in den Rettungswagen geschafft. 
Der 7-jährige Junge war schwer verletzt und die Notärztin kämpfte im Rettungswagen um sein 
Leben.

Gabriel kümmerte sich mit seinen Kollegen um die anderen, weniger schwer verletzten Insassen des Autos.

„Wie lange dauert das denn noch? Plötzlich stand ein Mann hinter ihm, „ich muss weiter, sonst verpasse ich meinen Flug!“

„Das kann ich Ihnen auch nicht sagen. 
Es dauert so lange bis alle versorgt sind.“

„Dann machen Sie doch wenigstens die Straße frei und stellen den Karren aus dem Weg, damit ich durchkomme!“ Er deutete dabei auf den Rettungswagen. „Da drinnen kämpft die Notärztin um das Leben eines Kindes, wir können das Auto nicht wegfahren …“

„Das ist einfach unglaublich!“ der Mann war nun richtig in Rage geraten.

Ein Feuerwehrmann bemerkte den Tumult und nahm sich des aufgeregten Autofahrers an. „Wir arbeiten so schnell es geht, aber Menschenleben retten hat Vorrang.“

„Dann rettet eben schneller“, meckerte der Mann weiter, als er vom Feuerwehrmann zu seinem Fahrzeug geleitet wurde.

„Das Kind ist stabil, wir können fahren.“ Die Notärztin stand hinter ihm und drängte auf eine zügige Abfahrt. „Wir müssen auf schnellstem Weg in die Klinik.“

Gabriel und sein Team stiegen ein. Ein weiterer Rettungswagen war zwischenzeitlich eingetroffen und übernahm die Versorgung der Leichtverletzten.

Kaum, dass das Kind im Klinikum übergeben worden war, kam schon der nächste Einsatz.

Sofort ging es weiter. Wieder ein Autounfall. Ein PKW hatte sich unweit der vorherigen Unfallstelle überschlagen. Die Feuerwehr war bereits vor Ort. 
Als Gabriel an der Unfallstelle angekommen war, saß der Fahrer des Unfallwagens im warmen Polizeibus. Die Erstversorgung hatte ein Feuerwehrmann vorgenommen. Die Platzwunde am Kopf hatte stark geblutet und die rechte Hand schien gebrochen.

„Wir bringen Sie erst mal in Krankenhaus, die Hand muss geröntgt werden.“

„Aber ich muss zum Flughafen!“ der Mann hob den Kopf. Erst jetzt erkannte Gabriel in Ihm den Mann, der ihn an der anderen Unfallstelle so sehr bedrängt hatte.

„Wo wollen Sie denn so eilig hin?“

„Nach Hause zu meiner Familie. Ich wollte hier nur noch schnell ein wichtiges Geschäft abschließen. Doch dann war dieser blöde Unfall, der mich aufgehalten hat und jetzt …“ dem Mann schossen Tränen in die Augen. „Ich halte ja nicht viel von der Kirche, aber dass sich meine Familie endlich einmal Zeit füreinander nimmt und an Heiligabend zusammenkommt, ist mir so unendlich wertvoll.“

Auf der Fahrt zum Krankenhaus, saß Gabriel hinten beim Verletzten. 
Er erfuhr von dessen Familie. Seinem Sohn der schon so früh gestorben war, von dieser Zeit in der er seinen Glauben verloren hatte.

Schwere Zeiten hatte der Mann schon durchgemacht. Eines gab ihm Halt: Seine Familie. Wenigstens an Weihnachten waren sie alle zusammen. Und er konnte nicht dabei sein.

Im Krankenhaus angekommen, war Gabriels Schicht zu ende.

Er blieb bei dem Mann. Sie sprachen über Gott und die Welt. 
So dauerte es nicht lange und die beiden waren per du. Wie alte Freunde.

Als die Untersuchungen abgeschlossen waren, gingen beide Richtung Ausgang. 
Es schneite immer noch.

„Was willst du jetzt machen? Wohin gehst du?“

 

„Keine Ahnung. Ich werde mir ein Hotelzimmer suchen. Mein Flug ist längst durch und die Bahn fährt wegen dem Schneechaos nicht…“

 

„Das kommt gar nicht in Frage, dass du Heiligabend alleine verbringst. Du kommst mit zu uns. Wir sind zwar kein Ersatz für deine Familie, aber immer noch besser als alleine im Hotelzimmer zu sitzen.“

 

„Aber das geht doch nicht, ich störe da nur..“

 

„Ach Quatsch, wir fahren jetzt zu mir nach Hause. Von dort aus kannst du mit deiner Familie telefonieren oder auch eine Videobotschaft per E-Mail schicken.“

 

„Aber …“

 

„Nix „aber! Und so ein bisschen christliches Weihnachten wird dich schon nicht gleich umbringen“ Gabriel grinste.

 

……..

 

Eigentlich hätte er ihn auf den Mond schießen können. Doch nun steht Gabriel mit ihm vor seinem Zuhause. 

Immer noch hält er den Schlüssel in der Hand. 

Plötzlich öffnet sich von innen die Türe. „Papa!“ 
Ein kleines Mädchen im Engelskostüm umklammert seine Beine.
 „Ich bin heute ein Weihnachtsengel! – Wer ist der Onkel?“ 
Die Kleine schielt am Papa vorbei und entdeckt Gabriels neuen Freund.


„Das ist Hannes, er wird heute Abend mit uns Weihnachten feiern.“

 

Blitzschnell lässt die kleine ihren Papa los und flitz ins Innere des Hauses, in die Arme ihrer Mutter „Onkel Hannes ist da! Er feiert Weihnachten mit uns! Ist das nicht toll?“

 

Mit leicht verunsichertem Hundeblick steht Gabriel nun vor seiner Frau.

Wortlos schließt sie ihn in die Arme. …

 ........

»Der Gott aber der Geduld und des Trostes gebe euch, dass ihr einträchtig gesinnt seid untereinander, wie es Christus Jesus entspricht.«

 »Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat.«

 

Mit den besten Wünschen für ein gesegnetes und einträchtiges Weihnachtsfest

Ihr / euer Klaus Bendel