Der Seelenfütterer

Glauben (er)leben

Ausgebremst
Er wollte in Urlaub fahren. Zusammen mit seiner Frau den Wohnwagen anhängen und weg. Weg vom Stress in der Arbeit, weg vom Ärger mit den nun fast erwachsenen Kindern, weg von den stündlich immer gleichen Fragen seiner demenzkranken Mutter, einfach für eine Woche weg, weg von allem.

Wie immer musste jedoch am Auto noch einiges gerichtet werden. Das Auto brauchte ein neues Lenkgetriebe, neue Stoßdämpfer und eine neue Auspuffanlage. Er bestellte die Teile und fing dann an ein Teil nach dem anderen zu erneuern. Nach dem Einbau des Lenkgetriebes wollte er aus der Werkstatt fahren und fuhr dabei beinahe in die Reparaturgrube. Sobald er nach links lenkte fuhr das Auto nach rechts und sobald er nach rechts lenkte fuhr es nach links. Der Ersatzteillieferant hatte ein falsches Ersatzteil geschickt. Da er nur das eine Fahrzeug hatte, musste er nun das neue Lenkgetriebe aus und das  alte vorübergehend nochmals einbauen. Einen Samstag hatte Ihn die Aktion gekostet. Am nächsten Samstag machte er sich an die Stoßdämpfer. Hierfür hatte er 3 Stunden veranschlagt. Beim Ausbau der alten Stoßdämpfer kam es dann wie es kommen musste.  Eine der alten Schrauben brach ab. In mühevoller, dreistündiger Arbeit musste er diese Schraube ausbohren. Weitere 3 Stunden später war der Einbau der Stoßdämpfer dann abgeschlossen und er völlig am Ende.

Am Freitag darauf wurde das nachgelieferte Lenkgetriebe nochmals ausgetauscht. Das ging recht flott, denn er hatte ja schon Übung darin.

Anschließend demontierte er den defekten Auspuff der jedoch so stark verrostet war, dass er beim Ausbau dann völlig auseinander brach. Das Ersatzteil lag ja schon bereit, daher kein Problem … eigentlich. Beim Einbau des neuen Ersatzteils musste er dann feststellen, dass auch der Auspuff, den er vorsichtshalber von einem anderen Lieferanten bestellt hatte, ebenfalls nicht passte.

Am nächsten Tag brachte seine Frau das neue über 2m lange Auspuffteil in ihrem Kleinwagen in die Mietwerkstatt, wo die teilzerlegte Familienkutsche stand. Innerhalb von 20 Minuten war der Auspuff eingebaut. Er war ja schließlich ein erfahrener Schrauber…

So konnte die Fahrt in den Urlaub losgehen.

Irgendwie hatte er das Gefühl etwas vergessen zu haben, aber was soll´s – jetzt ist erst einmal Urlaub. Seine Frau und er hängten ihren Wohnwagen an den frisch reparierten PKW. Wider Erwarten ging nun alles glatt. Die Pechsträhne schien zu Ende.

Am Campingplatz angekommen wurde der Wohnwagen aufgestellt. Es war bereits 20:00 Uhr, aber aufgrund der modernen Ladenöffnungszeiten war noch Zeit, um das notwendigste einkaufen zu fahren. Es waren rund 30 km Wegstrecke durch schwach besiedeltes Gebiet zu fahren.
Frohen Mutes machten sich beide auf den Weg, als beiden plötzlich bewusst wurde, was er vergessen hatte.

Ein kratzendes Geräusch kam da von vorne. Ja genau, die Bremsbeläge hatte er ja noch wechseln wollen. Nun waren sie aber auf halber Strecke zwischen Nichts und Nirgendwo. Keine Werkstatt in Sicht und das Netz seines Telefonanbieters hatte wohl auch noch nichts von diesem Landstrich gehört gehabt.

So blieb den beiden nichts anderes übrig, als vorsichtig weiter zu fahren. Es dauerte keine 5 Minuten, bis mit einem leisen „Ping“ die Tankanzeige zu verstehen gab, dass es nun Zeit wäre eine Tankstelle aufzusuchen. Eine Tankstelle, hier mitten in der Pampa … wo sollten sie die jetzt hernehmen? Den beiden wurde langsam mulmig zu Mute.

So fuhren sie durch die Nacht, mit halblebiger Bremse und leerem Tank. Mit den letzten Tropfen erreichten sie die Tankstelle. Nach dem der Tank gefüllt war, bestand nun wenigsten die Möglichkeit, zurück zum Campingplatz zu kommen und das Auto in die Werkstatt vor Ort zu bringen.

Als sie an diesem Abend in ihrem Wohnwagen zu Bett gegangen waren, meinte er „Gott sei Dank, dass wir uns haben.“

„Ja, …Danke Gott!“ sagte sie

und er sah dass sie ihre Hände gefaltet hatte …