Der Seelenfütterer

Glauben (er)leben

Eine Osternacht

Wäre ich nur früher losgegangen

jetzt irre ich hier in der Dunkelheit umher und sehe die Hand vor Augen nicht – hoffentlich kommt der Mond bald hervor, damit ich wenigstens meinen Weg erkennen kann.

Wäre ich nur früher losgegangen

 

Wo bleibt nur der Mond mit seinem Licht?

Jetzt bin ich schon zum dritten Mal über die Wurzeln gestolpert und gestürzt. Der Boden ist kalt und feucht – kalt und feucht wie in einem Grab. Ich spüre den Stein an dem ich mich gestoßen habe. Er ist rau und kalt und tot …

Wo bleibt nur dem Mond mit seinem Licht.

 

Wird es so sein, wenn der Tod nach mir greift?

Dunkelheit, Kälte, klamme Feuchte. Rau und kalt wie dieser Stein – wie der Stein vor Jesu Grab … – ich zittere – vor Kälte – vor Angst?

Wird es so sein wenn der Tod nach mir greift?

 

Woher kommt Hilfe?

Wie gelähmt liege ich da. -- Ich rapple mich auf, taste nach Halt. Wieder aufrecht stehend, blicke ich in die dunkle Leere vor mir. Nur weg hier, denke ich und möchte losrennen. Doch wie? Vor mir ist nichts als Dunkelheit und Leere – Dunkelheit und Leere blockieren meinen Weg, wie ein Fels, ein schwerer Stein vor einem Höhleneingang. Wer kann die Dunkelheit vertreiben?

Woher kommt Hilfe?

 

In der Nacht ist alles ganz anders.

Wie oft schon bin ich bei Tage diesen Weg gegangen. Alles war mir vertraut.
Die Weinberge auf der linken Seite. Die uralte Weide an dem kleinen Weiher mit der Bank. Die Weide ist am Tage voller  Leben - die zwitschernden Vögel kann man schon von weitem hören.  Doch nun in dieser Nacht finde ich nur Dunkelheit und Kälte und Tot.

In der Nacht ist alles anders.


Kein leichter Weg.

Guter Gott schenke mir Kraft und Zuversicht. Lass mich nicht verzweifeln an dieser Leere, die nun vor mir liegt. Wie mein Heimweg werden sollte, sah ich schon genau vor mir. Zwar beschwerlich und steil, doch mit der Vorfreude darauf, dass das Schwere geschafft werden wird, bin ich losgegangen.
Ich wusste, es wird …

… kein leichter Weg

 

Standhalten!

Wie einst die Frauen an Jesu Grab. Einen letzten Dienst wollten sie Ihm erweisen. Kein leichter Dienst, kein leichter Weg, doch eine Herzenssache. Nun war Jesu Leichnam verschwunden. So standen auch sie vor einer Leere und konnten ihre Aufgabe nicht erfüllen;  ihren Weg nicht weiter gehen. Irritiert standen Sie im leeren Grab - Verzweiflung machte sich breit. Was sollten sie tun? Es blieb ihnen, wie auch mir nur eins:

Der Verzweiflung …

… standhalten!

 

Ein wenig Ruhe

Wie ein Sack voller kalter schwerer Steine, drücken Angst, Kälte und Dunkelheit auf meinen Körper – auf meine Seele. Wie gerne würde ich diese schweren Seelensteine eintauschen gegen einen einzigen wärmenden Sonnenstrahl oder das Licht einer Kerze.

Jesus, mein Herr und Bruder, schenke mir ein wenig Licht und Wärme –schenke mir …

… ein wenig Ruhe.

 

Geborgenheit
Vorsichtig taste ich mich weiter vorwärts. Immer noch ist alles Dunkel um mich herum. Ich spüre eine kalte Wand aus Stein. Aus Sandstein, rau behauen. Erfühle ich tatsächlich die Wand eines Gebäudes. Wohnt hier jemand? Finde ich hier Hilfe? Ich ertaste eine Öffnung in der Wand, eine modrige Türe steht offen. Vorsichtig taste ich mich ins Innere. Ich erfühle ein Bank. Endlich ein Platz zum Ausruhen.  Endlich ein wenig …

Geborgenheit.

 

Noch immer ist es dunkel.

Niemand ist hier. Doch drücken die Seelensteine nicht mehr so sehr. Es fühlt sich so an, als wären mir einige „Steine vom Herzen“ gefallen. Einige Steine konnte ich ablegen, doch noch immer ist  es schwer. Noch immer ist es kalt –
noch immer ist es dunkel.

 

 

Warten auf das Licht.

Zitternd liege ich auf einer feuchten Bank in einer kalten Höhle.
Ich denke an Jesus. Wie sein toter Körper einst in einer solchen Höhle abgelegt worden war. Ein Fels wurde vor die Öffnung gerollt. Dunkelheit und Kälte breitete sich aus.

Die Nacht liegt wie ein Fels vor dem Eingang meiner Höhle. Dunkelheit und Kälte ist alles, was ich noch spüre. Ich bete zu Jesus: Herr und Bruder, bleibe bei mir in dieser Nacht, ich bitte dich …

Es bleibt nichts als zu beten. Zu beten und zu warten – zu …

… warten auf das Licht.

 

 

   

 

 

 

Ein neuer Morgen.

Die Finsternis vor meiner Höhle ist vertrieben. Ich blicke auf den Weg vor dem Eingang.
Zunächst ist noch alles verschwommen. Doch mit jedem Augenblick wird alles klarer. Ich erkenne das grüne Moos auf den Steinen am Boden, die Wurzeln über die ich in der Nacht gestolpert bin.

Ich erkenne die Bäume entlang des Weges. All die Vögel, die ich in der Nacht vermisst hatte, begrüßen mit Ihrem Gesang den neuen Tag.

Ich richte mich auf. Alles tut weh, doch ich bin froh und glücklich. Das Tal der Dunkelheit ist durchschritten.

Mühsam erhebe ich mich und trete hinaus ins Licht.

Jesus hat mich durch die Nacht getragen und nun hat er mir einen neuen Tag geschenkt.

Ich kann meinen Weg wieder erkennen. Ich muss nicht mehr in der Dunkelheit verharren.

Ich kann all die schweren Seelensteine ablegen und hinter mir lassen.

Das göttliche Licht leuchtet mir voran.

Es leuchtet mir voran und wird es immer wieder tun, auch dann wenn ich wieder einmal in der Dunkelheit unterwegs sein werde.

Ich bin nun sicher: Auf jede Nacht folgt …

… ein neuer Morgen